Die Übung im Sitzen

Zen kommt aus dem Buddhismus. Zen ist keine Religion, keine Theologie oder Philosophie sondern eine Geisteshaltung, die ohne Glauben an etwas und ohne Dogmen auskommt. Im Zen geht es um die unmittelbare Erfahrung der Wirklichkeit. Man erwirbt ein Vertrauen in den Zen-Weg, das auf eigener Erfahrung beruht. Gemäß dem Buddha-Wort: "Sei dein eigenes Licht" hinterfragt der Übende das, was ihm angeboten wird und nimmt das an, was momentan seinem Verständnis entspricht. Damit erweitert er seinen Blickwinkel auf die Wirklichkeit.

Zazen, das Sitzen in Versenkung, ist die wichtigste Übungsform. Dabei sitzt der Übende in der Regel auf einem Sitzkissen oder Bänkchen in einer aufrechten Haltung auf dem Boden. (Personen, denen diese Haltung aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, sitzen auf einem Schemel) Die Aufmerksamkeit gilt dieser Körperhaltung und der Atmung. In der Achtsamkeit für den gegenwärtigen Augenblick wird sich der Übende/die Übende auch der aufkommenden Gefühle sitzenund Gedanken bewusst. Sie werden weder verhindert, noch wird ihnen bewusst nachgegangen. Ohne sie zu bewerten, versucht man sie wahrzunehmen und dann loszulassen. Die Achtsamkeit folgt immer wieder dem eigenen Atem. Im Laufe der Übungen stellen sich äußere und innere Ruhe ein, der Geist verweilt zunehmend in einem Zustand der Gedankenleere.

Jede Sitzrunde dauert ca. 20 Minuten und wird von einer Gehmeditation (Kinhin) abgelöst, bei der die erworbene Achtsamkeit beibehalten wird.

Die von uns praktizierte Form des Zen entstammt der Soto-Tradition und ist ursprünglich in Japan beheimatet. Dies erklärt, dass Texte nicht nur in deutscher Sprache, sondern auch in japanisch rezitiert werden, dass z.B. Buddhafiguren, Räucherstäbchen und Klangschalen die Übungen begleiten.

Zen hat unmittelbar etwas mit unserem Leben zu tun. Es vertröstet nicht auf ein Leben jenseits von diesem Leben, wenngleich es auf das Namenlose, Nichtzufassende verweist. Zen ist ein Weg der Befreiung vom Leiden. Durch das Bewusstmachen und damit dem Beginn des Auslöschens von Gier, Hass und Verblendung (in den verschiedensten Bereichen und Formen unseres Lebens) entfaltet sich eine große Freude am Leben, so wie es ist. So kann sich eine große Energie entwickeln, die sich im Mitgefühl für alle Wesen zeigt und sich im Alltag durch aktiven Einsatz für Harmonie und Wachstum für alle ausdrückt.

 

Der Bogenweg

Das Zen-Bogenschießen ist einer der Zen-Wege, die teilweise schon Jahrhunderte lang im asiatischen Raum praktiziert werden. Andere Wege sind zum Beispiel Ikebana (Blumen-Weg), Chado (Tee-Weg), Kendo (Schwert-Weg).

Nach unserem Verständnis ist ein Gemeinsames aller dieser Wege, Bewusstheit durch absichtsloses Tun zu erlangen. Der Bogen-Weg, wie er heute als Kyudo teilweise praktiziert wird, ist sehr stark in der japanischen Kultur beheimatet und hat nicht immer eine Anbindung an die Praxis des Zen. Dies aber gerade ist für uns das Ausschlaggebende. In der Übung des Sitzens geht es u.a. sitzenum die Übereinstimmung von äußerer und innerer Ruhe. Diese Ruhe und Achtsamkeit in der Handlung des Schießens beizubehalten, stellt eine große Herausforderung dar, der wir uns im Bogenschießen stellen wollen, um sie darüber hinaus auch im Alltag einzuüben.

Auf diesem Hintergrund stehen die Feinheiten des Kyudo was zum Beispiel Kleidung, Bogenausrüstung und Rituale betrifft, für uns nicht an erster Stelle. Unsere Übung, die feste Rituale kennt, ist auf aktuelle Möglichkeiten und Bedürfnisse der Übenden abgestimmt. Wir schießen mit Reiterbögen oder Langbögen, die über keine technischen Hilfsmittel verfügen. (Blankbögen) Diese Bögen ermöglichen uns, sowohl mit der rechten als auch mit der linken Hand zu schießen. Dieses wichtige Element der Beidseitigkeit, das dem Yoga entnommen ist, wird durch ausgewählte Yoga-Stellungen, in denen geschossen wird erweitert. (Heldenstellung, Baum, Kniestand.)

Unsere Übung könnte zwischen der Aussage "Der Pfeil, der genau ins Schwarze trifft, ist das Ergebnis von 1000 Fehlschüssen" (Buddhistisches Sprichwort) und dem Wort unseres Zenmeisters und Bogen-Lehrers KyuSei: "Jeder Schuss ein Schuss - wo sind die Fehlschüsse?" angesiedelt werden. Letztlich geht es aber darum, beide Positionen zu überschreiten. "Wenn der Bogen zerbrochen ist und du keine Pfeile mehr hast, dann schieß. Schieß mit deinem ganzen Sein." (Zen-Wort)

 

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